Toskana 2009
Im Juni 2009 habe ich mich auf ein Abenteuer begeben. Ich habe ein Seminar mit dem Namen “Tanz und Zen” in der Nordtoskana gebucht.
Die Anreise verlief reibungs- und ereignislos, was mich schon mal sehr beruhigte. Als eingeschworene Wenigurlauberin (das Los der Selbständigen) und wenn schon dann Alleinverreiserin war mir ein bisschen mulmig bei dem Gedanken, eine Woche mit einer Gruppe zu verbringen und mich einem festen Tagesplan unterzuordnen. Doch getreu meinem Lieblingsmotto “Neugier statt Angst” kam ich doch sehr gespannt im Seminarhaus “Il Convento” an.
Ich betrat das Gelände des alten Nonnenklosters und war vom ersten Augenblick an verzaubert. Selten habe ich an einem Ort eine so ruhige und entspannte Schwingung aufgespürt, die sofort meine Anspannung dämpte und die lange Reise mit Auto, Zug, Flugzeug, wieder Zug und abschließend Taxi, von mir abfallen ließ.

Il Convento 1
Der Rest der Gruppe war schon da, saß beim Abendessen und ich wurde freundlich und mit der ersten von vielen unglaublich reichhaltigen und wohlschmecken Mahlzeiten dieser Woche begrüßt. Alles war perfekt. Jedes Detail im Convento scheint am genau richtigen Ort zu sein, das gilt für die Außenanlage, die Inneneinrichtung und die Seminarhausleiter ebenso.

Innenansichten 2
Man spürte an jeder Stelle die Sorgfalt und Liebe und das Gespür für den richtigen Ort einer jeden Kleinigkeit. Nach dem Essen wurde ich in mein Zimmer geführt, ein schlicht eingerichteter Raum, nur mit dem nötigsten möbliert und wunderschön. Die Matratze war genau so, wie ich es mag und dafür war ich in den nächsten Tagen noch sehr dankbar.Anschließend ging es in den Seminarraum, der für den Rest der Woche (neben meinem Bett) der Hauptaufenthaltsort der Gruppe sein sollte, zur ersten Meditationssitzung. Ich war gespannt, denn alle meine vorherigen Meditationsversuche verliefen nicht besonders ergiebig und ich hatte das Seminar sowieso eher wegen dem Aspekt des Tanzens gebucht.

Innenansichten 1
Nunja, die Meditation lief soweit ganz gut :-), außer dass mir die Beine einschliefen, aber zu sitzen, zu denken und NICHT zu werten, hatte in dem Moment und nach dem aufregenden Tag eine sehr beruhigende Wirkung auf mich.
Der nächste Morgen begann wieder mit Sitzen in der Stille - VOR dem Frühstück und leider auch vor dem ersten Kaffee. Da ich nicht gerade schnell bin morgens, quälte ich mich um kurz vor acht aus dem Bett, Schlaf aus den Augen, Zähne geputzt und in den Seminarraum im obersten Stockwerk hochgeschlichen. Die morgendliche Meditation bestand aus einer Phase des Sitzens (Zazen) und einer Gehmeditation (Kinhin) und nochmals Sitzen. Nun… das ging schon nicht mehr so leicht wie am abend zuvor.
Anschließend ein leckeres Frühstücksbuffet mit Obst, Müsli, Käse, Brot, Schinken, Salami und jeder Menge Oliven.
So sollte jeder Tag meines Seminars beginnen und wenn ich auch mehr und mehr Schwierigkeiten hatte, mich auf die Meditation einzulassen, so gewann ich diesen festen Tagesbeginn doch auch lieb.
Nach einem ausgedehnten Frühstück begann um 10:00 Uhr der vormittägliche Seminarblock. Bis 13:00 Uhr verbrachten wir im Seminarraum die Zeit mit Tanzmeditation, Gesprächen, Zazen und Kinhin. Um 13:00 Uhr gab es Mittagessen…. Oh mein Gott!!! Ich sah sie förmlich an mir kleben, die zusätzlichen Pfunde…
Absolut leckeres, wahnsinnig reichhaltiges Essen und das jeden Tag, Risotto, gekochten Dinkel mit Pesto, Lasagne, Kichererbsen, Farfalle, Canneloni … ich kann unmöglich alles an leckerem aufzählen und aufgeschrieben habe ich es leider nicht. Gemeinsames Merkmal aller Speisen war neben dem ausgesprochenen Wohlgeschmack das allgegenwärtige Olivenöl. Alles schwamm darin und ich wundere mich jetzt noch, dass ich mich am Ende der Woche nicht nach Deutschland zurückrollen lassen mußte.
Bis 16:30 Uhr war Pause. Ja… so ein Seminar ist anstrengender als Frau denkt. Die ersten drei Seminartage verschwand ich nach dem Mittagessen in meinem Zimmer und schlief bis 16:15. Mach ich sonst nie, Mittagsschläfe tun mir überhaupt nicht gut, denn ich kann dann nachts nicht schlafen und hab meist schlechte Laune und großen Appetit auf Schokolade.
Nicht so in dieser Woche im “Il Convento”. Der Nachmittagsschlaf erfrischte mich soweit, dass ich mich fit fühlte für den Seminarblock von 16:30 Uhr bis kurz vor 19:00 Uhr. Dieser Block begann mit verschiedenen Körperübungen, die uns auf eine Tanzrunde zu unterschiedlichen Themen. Um 19:00 Uhr gab es dann nochmal eine dieser wahnsinnigen Mahlzeiten, ein bisschen reden, ein Fläschchen Wein, Duschen, ins Bett, drei Seiten lesen, schlafen…
In diesem Rhythmus vergingen die Tag bis Mittwoch wie im Flug. Viel neues, aber auch längst bekanntes stürmte auf mich ein und ich war ganz froh, dass am Donnerstag ein Tag Pause war.
Diesen Tag nutzte ich gemeinsam mit zwei anderen Seminarteilnehmerinnen für einen Besuch am Meer - Italien ohne einmal das Meer gesehen zu haben geht ja garnicht!
Wir machten uns also frühmorgens mit dem Zug auf zur Cinque Terre, einem felsigen Küstenstreifen in Ligurien. Nach zwei Stunden Zugfahrt kamen wir in Monte Grosso an:

Cinque terre
Schöne Stadt, zuviele Menschen, also ab in die Berge.
Es gibt dort einen schönen Wanderpfad an der Steilküste entlang und für 5 € hatten wir die Ehre ihn zu betreten. Die nächsten drei STunden ging es steinige Pfade hinauf und hinab, unzählige Treppenstufen, wunderbare Ausblicke und Fäkaliengerüche säumten unseren Weg. Ich fand es toll, meine Begleiterin eher weniger.

Cinque Terre 3

Cinque Terre 2
Nach einem steinigen Abstieg gelangten wir im nächsten Dorf an.
Eine völlig überteuerte Fischmahlzeit, eine Wanderung durch die Stadt und ein kaltes Bier rundeten unseren Ausflug ab und zurück ging es in die Ruhe und Abgeschiedenheit von “Il Convento” und dem leckeren Abendessen.

Nahaufnahme
Es war eine Wohltat dort wieder anzukommen. Nach dem wie immer üppigen Abendessen feierten wir bei Wein noch den Geburtstag einer Seminarteilnehmerin bis spät in die Nacht… war ich die letzte, die ins Bett ging? Ich glaube ja.
Der nächste Tag verging im liebgewonnenen Rhythmus und war ja auch schon der allerletzte Seminartag.
Am Samstag reiste ich nach Hause. Das übliche, Umarmungen, Adressentausch, Gute Wünsche und bis irgendwann.
Mein Flieger ging von Pisa aus und ich wollte nochmal zum schiefen Turm, da ich Zeit hatte. Zu Pisa gibt es wenig zu sagen. Hässliche Stadt, hübsche Kellner, leckeres Essen, schiefer Turm.

Pisa
18:30 Uhr saß ich im Flieger, Berlin erwartete mich bei 10 Grad und Regen und ich kam irgendwann nachts bei mir zu Hause an.
That’s it
First Flush
Obwohl ich keine ausgesprochene Teeliebhaberin bin, liebe ich diesen Ausdruck, lasse ihn gern auf der Zunge zergehen und empfinde ihn als passend für meine ersten Schritte bei Wordpress.
Steinig und lang war der Weg ;-), das Design gefällt mir noch nicht besonders, aber ich bin hier, sichtbar und kann schreiben.